Sebastian Huber

Wahlärzte und Gesundheitssystem – was brauchen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wirklich?

Das politische Sommerloch bringt jedes Jahr die unterschiedlichsten Vorschläge zu Tage. Mal kurios, mal zum Kopf schütteln oder mal – so wie im Fall von NR Erwin Spindelberger von der SPÖ – einfach nur entbehrlich. Abgeordneter Spindelberger forderte doch tatsächlich die Abschaffung der Wahlärzte.  Wenn Herr Spindelberger von der SPÖ die Wahlärzte abschaffen will, so würde beispielsweise in der Stadt Salzburg die Versorgung der Patientinnen und der Patienten in der Allgemeinmedizin nicht mehr möglich sein.

Niedergelassene Ärzte stärken 136 640

Quelle: SN Lokal, 13.08.2016

In der Stadt Salzburg gibt es neben den 64 niedergelassenen Allgemeinmedizinern in etwa die gleiche Anzahl an Wahlärzten für Allgemeinmedizin. Das zeigt, dass die Wahlärzte einen nicht unwesentlichen Beitrag in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung leisten. Zum Glück hat sich, wohl aufgrund der absolut gerechtfertigten Empörung von allen Seiten, die SPÖ rasch von dem Vorschlag ihres „Gesundheitssprechers“ Spindelbergers distanziert.

Die vielen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, Fachärztinnen und Fachärzte bzw. Vertrauensärztinnen und Vertrauensärzte werden von Seiten der Politik schon seit Jahrzehnten im Regen stehen gelassen. Die zuständige Landes- und Bundespolitik nimmt die freiberuflichen Ärzte an die Kandare. „Rot“ und „Schwarz“ etablierte ein System bei der bürokratische Vorgaben, zentrale Steuerung von Allem, finanzielle Unterdrucksetzung, Pauschalierung, Einschränkung von Leistungsfreiheit, etc. an der Tagesordnung stehen. Das Gesundheitswesen wird aber nicht nur von der Politik gelähmt.
Auch die Sozialpartner, in diesem Fall die Salzburger Arbeiterkammer, fallen mit mehr oder minder sinnvollen Wortspenden zur Gesundheitspolitik auf. Die „Gesundheitsexpertin“ und ehemalige Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller fordert in der aktuellen Diskussion rund um die Wahlärzte die sofortige Einführung von zentral geführter „Primary Health Care“-Zentren, kurz PHCs. Diesen sollen offenbar zentral und außerhalb des mit der Ärztekammer akkordierten Stellenplans unter nicht-ärztlicher Führung des Hauptverbands etabliert werden.
Frau Burgstaller schließt somit nahtlos an ihre Forderung aus dem Juli 2011 an. Damals forderte sie, dass niedergelassene Fachärzte in der Umgebung von Krankenhäusern keine Ordination mehr haben dürfen. Die Folge dieser Forderung wäre der Zusammenbruch des niedergelassen Ärztenetzes im urbanen Raum gewesen.

Die jetzige Forderung nach der Einführung der PHCs greift viel zu kurz. Vorrangig ist die Stärkung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, Fachärztinnen und Fachärzte bzw. Vertrauensärztinnen und Vertrauensärzte.
Gerne gebe ich der zuständige Landes- und Bundespolitik zwei Forderungen mit auf den Weg, die einen großen Mehrwert hätten, leicht zu realisieren wären und endlich ein wirkliches klares Bekenntnis zur Stärkung der niedergelassenen ambulanten Verstörung darstellen würden:

  • Etablierung neuer Arbeitsmodelle, wie etwas Gruppenpraxen ohne Abschläge und bessere ärztliche Kooperationsformen ohne überbordende Bürokratie
  • Abschaffung der Limitierungen bei den Kassenleistungen

Das schöne Sprichwort lautet aber: „Die Hoffnung stirbt zuletzt …“

https://sbg.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/gesundheitundsoziales/Gesundheitsreform_endlich_umsetzen.html