ÖVP stellt sich mit Vor­schlag zum Sti­pen­dien­sys­tem selbst Ar­muts­zeug­nis aus

Ge­sund­heits­spre­cher Se­bas­ti­an Huber: „Die Ge­sund­heits­be­ru­fe brau­chen einen Wett­be­werb der bes­ten Köpfe.“

Kopf­schüt­telnd re­agiert Dr. Se­bas­ti­an Huber, NEOS Ge­sund­heits­spre­cher, Ge­mein­de­rat und nie­der­ge­las­se­ner In­ter­nist, auf den Vor­schlag der Lan­des ÖVP, ein „Sti­pen­di­en-Sys­tem für Me­di­zin­stu­den­ten“ ein­füh­ren zu wol­len. „Für NEOS ist der kol­por­tier­te Vor­schlag eine Bank­rott­er­klä­rung der ÖVP. Die ÖVP ka­pi­tu­liert vor ihrer ei­ge­nen Ge­sund­heits­po­li­tik“, stellt Ge­mein­de­rat Huber fest.

GR Sebastian Huber

GR Sebastian Huber

 

Für NEOS ist die­ser Vor­schlag eine klare The­men­ver­feh­lung und geht am Pro­blem weit vor­bei: „Die Ar­beits­be­din­gun­gen für Ärzte im Spe­zi­el­len und für die Ge­sund­heits­be­ru­fe im All­ge­mei­nen müs­sen ver­bes­sert wer­den. Dies er­rei­che ich aber nur durch ehr­li­che Wert­schät­zung, Zur­ver­fü­gung­stel­lung von her­vor­ra­gen­den Ar­beits­be­din­gun­gen und eine ad­äqua­te und leis­tungs­be­zo­ge­ne Be­zah­lung. Die Po­li­tik muss neben den Ärz­tin­nen und Ärz­ten auch allen an­de­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern in Ge­sund­heits- und Pfle­ge­be­ru­fen end­lich mit Wert­schät­zung und Re­spekt ent­ge­gen­tre­ten “, sagt Huber und fügt an: „NEOS hat be­reits im Ge­mein­de­rats­wahl­kampf ein kla­res Kon­zept gegen den statt­fin­den­den Ärz­te­man­gel prä­sen­tiert.

Die Ge­sund­heits­po­li­tik brau­cht drin­gend Struk­tur­re­for­men, die es end­lich schaf­fen, bud­ge­tä­re Mit­tel rasch und ef­fi­zi­ent dort­hin zu len­ken, wo sie drin­gend be­nö­tigt wer­den – bei den Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten. Für NEOS steht außer Streit, dass die zu­stän­di­ge Po­li­tik end­lich um­den­ken muss und die nie­der­ge­las­se­nen Ärzte für All­ge­mein­me­di­zin sowie Fach­ärz­te un­ter­stüt­zt und ge­stärkt wer­den müs­sen. Am­bu­lant vor sta­tio­när darf nicht nur ein Lip­pen­be­kennt­nis blei­ben“, sagt Huber.

Für NEOS Ge­sund­heits­spre­cher Huber ist der vor­ge­schla­ge­ne Weg der ÖVP der be­rühm­te Holz­weg: „Sta­tus quo ist, dass der zu­stän­di­ge Ge­sund­heits­lan­des­rat Dr. Chris­ti­an Stöckl die Salz­bur­ger Spi­tals­ärz­te re­gel­mä­ßig ver­un­si­chert, indem er die Aus­wir­kung der Ei­ni­gung des Ärzte-Ge­hälter-Streits den Jung­ärz­ten nicht trans­pa­rent kom­mu­ni­ziert, die nie­der­ge­las­se­nen Ärzte sich durch den Ver­wal­tungs­dschun­gel der Kran­ken­kas­se kämp­fen müs­sen und die Wert­schät­zung für Ge­sund­heits­be­ru­fe durch die Salz­bur­ger Po­li­tik nicht ge­ge­ben ist. Das ‚An­wer­ben‘ von Ärz­ten in Aus­bil­dung, wenn noch nie­mand weiß, ob die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen über­haupt ge­eig­net sind, kann nur als Fa­schings­scherz be­zeich­net wer­den“, so Huber.

NEOS warnt seit Mo­na­ten vor dem dro­hen­den Ärz­te­man­gel: „Im Jahr 2013 ver­lie­ßen 106 Fach- und As­sis­tenz­ärz­te die SALK, wobei 46 – also rund 43,4 Pro­zent – Salz­burg den Rü­cken kehr­ten. Es blei­ben somit immer we­ni­ger Fach­ärz­te in Salz­burg. Um gegen den Ärz­te­man­gel wirk­lich etwas zu un­ter­neh­men müss­te das Land jähr­lich min­des­tens 100 Me­di­zin­stu­den­tin­nen und Me­di­zin­stu­den­ten ‚re­kru­tie­ren‘“, sagt Huber.

Woher die ÖVP das Geld für diese po­li­ti­sche Ne­bel­gra­na­te neh­men will ist für Ge­mein­de­rat Huber ein Rät­sel: „Die ÖVP will sich bei der Höhe des Sti­pen­di­ums an die Le­bens­kos­ten und die all­ge­mei­nen Sät­zen für Stu­di­en­bei­hil­fe hal­ten. Nimmt man das Selbst­er­hal­ters­ti­pen­di­um – die­ses be­trägt im Mo­ment € 679 – als Rech­nungs­grund­la­ge her, dann würde das Sti­pen­dien­sys­tem der ÖVP das Land rund € 815.00 pro Jahr kos­ten. Aber genug Geld um die vie­len tau­sen­den Mit­ar­bei­ter in den Ge­sund­heits­be­ru­fen ad­äquat zu be­zah­len hat das Land an­geb­lich nicht“, stellt Huber ver­är­gert fest.

NEOS sehen im kol­por­tier­ten Vor­schlag der ÖVP ein rei­nes Ab­len­kungs­ma­nö­ver. Die ÖVP re­giert seit 1945 im Land Salz­burg mit und war jahr­zehn­te­lang für die Ge­sund­heits­po­li­tik des Lan­des ver­ant­wort­lich. Vor jeder Wahl wer­den Ver­spre­chun­gen ge­tä­tigt, pas­siert ist bis heute lei­der nichts. Für NEOS liegt der Grund der Un­tä­tig­keit auf der Hand: „Der ÖVP fehlt für eine zu­kunfts­fit­te Ge­sund­heits­po­li­tik ein­fach der Mut. Schon längst hätte die ÖVP etwas gegen den Ärz­te­man­gel un­ter­neh­men kön­nen, aber hier hat sie be­dau­er­li­cher­wei­se ver­sagt“, sagt Huber.