Mehr Hilfe für Salz­burgs Bett­ler

Der Vir­gil­bus bie­tet Bett­lern und Ob­dach­lo­sen in Salz­burg seit An­fang De­zem­ber eine me­di­zi­ni­sche Not­ver­sor­gung.

Für die Bett­ler in der Stadt Salz­burg war es fast so etwas wie ein Weih­nachts­ge­schenk: Seit Be­ginn der Ad­vent­zeit steu­ert der Vir­gil­bus jeden Sonn­tag jene Quar­tie­re und Plät­ze an, die stark von Ob­dach­lo­sen und Bett­lern fre­quen­tiert wer­den. Im Bus er­hal­ten sie ein­fa­che me­di­zi­ni­sche Hilfe. “Diese Men­schen haben keine Kran­ken­ver­si­che­rung und eine große Scheu zum Arzt zu gehen”, sagt der Me­di­zi­ner Se­bas­ti­an Huber. Der Ne­os-Ge­mein­de­rat hatte die Idee für den Vir­gil­bus und Un­ter­stüt­zer für das Pro­jekt ge­sucht.

GR Sebastian Huber

GR Sebastian Huber

In einem um­ge­bau­ten Ret­tungs­au­to fah­ren Ärzte, Sa­ni­tä­ter und Dol­met­scher nun zu den Un­ter­künf­ten und be­ra­ten und be­han­deln die Men­schen am­bu­lant. Nach den ers­ten Ein­satz­ta­gen kann Huber schon eine vor­läu­fi­ge Bi­lanz zie­hen: “Die Men­schen neh­men unser An­ge­bot immer bes­ser an.” Am letz­ten Sonn­tag vor Weih­nach­ten etwa sind 13 Men­schen be­treut wor­den.

Ge­lenks­be­schwer­den, grip­pa­le In­fek­te oder Ma­gen­pro­ble­me ge­hö­ren zu den häu­figs­ten Pro­ble­men der Pa­ti­en­ten. Noch kom­men aus­schließ­lich Bett­ler aus Süd­ost­eu­ro­pa, ge­dacht ist der Vi­rigl­bus aber für alle Ob­dach­lo­sen. Das Pro­jekt wird ge­mein­sam von der Ärz­te­kam­mer, dem Roten Kreuz, den Mal­te­sern und Sa­ma­ri­ter­bund be­treut. Sie wech­seln ein­an­der bei der Be­reit­stel­lung des Bus­ses und der Fah­rer ab. Die Apo­the­ker­kam­mer stellt Me­di­ka­men­te be­reit. Ärzte stel­len sich eh­ren­amt­lich für den Ein­satz zur Ver­fü­gung. “Das erste Halb­jahr 2015 habe ich schon alle Diens­te ein­ge­teilt”, sagt Huber und freut sich über die Ein­satz­be­reit­schaft sei­ner Kol­le­gen.

Vor­über­ge­hen­des Not­quar­tier

Der Vir­gil­bus ist eines von meh­re­ren nie­der­schwel­li­gen An­ge­bo­ten für Bett­ler und Ob­dach­lo­se in der Stadt Salz­burg, die in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ent­stan­den sind. So hat die Salz­bur­ger Ca­ri­tas im No­vem­ber mit der Arche Nord ein vor­über­ge­hen­des Not­quar­tier in einem Wohn­block in der Ru­dolf-Biebl-Stra­ße er­öff­net. Bis zu 35 Men­schen haben Platz. Sie kön­nen dort schla­fen, du­schen und ihre Klei­dung wech­seln. Fi­nan­ziert wird die Schlaf­mög­lich­keit zur Hälf­te von Stadt und Land und durch Spen­den. Die not­wen­di­gen Kos­ten für die Ad­ap­tie­rung von rund 5000 Euro hat dabei ein ein­zi­ger Spen­der über­nom­men.
Sehr lang wird es das Not­quar­tier aber nicht geben. Denn mit Ende März muss die Ca­ri­tas das Haus wie­der räu­men, weil es ab­ge­ris­sen wird. Ge­sucht wird nach wie vor ein Ge­bäu­de, in dem eine dau­ern­de Not­schlaf­stel­le ein­ge­rich­tet wer­den kann.

Im­mer­hin gibt es Schät­zun­gen zu­fol­ge rund 200 bis 300 Men­schen, die in der Stadt Salz­burg auf der Stra­ße leben. Rund die Hälf­te sind Bett­ler, die zum gro­ßen Teil in Grup­pen aus Süd­ost­eu­ro­pa kom­men. Die Stadt hat im Herbst eine In­for­ma­ti­ons­bro­schü­re auf­ge­legt, die in meh­re­ren Spra­chen und mit Sym­bo­len den Bett­lern die für sie gel­ten­den Re­geln na­he­bringt. So ist etwa laut dem Heft­chen stil­les Bet­teln er­laubt, das Bet­teln vor Ge­schäfts­ein­gän­gen oder Trink­was­ser­brun­nen da­ge­gen ver­bo­ten. Die Bett­ler wer­den zudem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie öf­fent­li­che Toi­let­ten be­nut­zen und in der Zeit zwi­schen 22 und 6 Uhr kei­nen Lärm ma­chen sol­len.

Keine Chan­ce auf Rea­li­sie­rung hat unter den po­li­ti­schen Mehr­heits­ver­hält­nis­sen das von Vi­ze­bür­ger­meis­ter Ha­rald Preu­ner (ÖVP) ge­wünsch­te Bet­tel­ver­bot – er hat erst im No­vem­ber einen neuen An­lauf für sein Vor­ha­ben ge­star­tet. Preu­ner will an be­stimm­ten Plät­zen der In­nen­stadt in der Zeit zwi­schen acht und 19 Uhr das Bet­teln ge­ne­rell un­ter­sa­gen. Nur so könne man die wach­sen­de Zahl der Bett­ler in der Stadt Salz­burg wirk­sam be­schrän­ken, ist Preu­ner über­zeugt. SPÖ, Grüne und Neos leh­nen das ab.